Wer die kleine Hauswerkstatt in Hallein-Mariahilf besucht, der lernt den Grund seiner Begeisterung für diese schöne Handwerkskunst kennen. Tiffany ist für ihn mehr, Tiffany ist ein Teil seiner Lebensart die mit jedem Tag mehr Freude bereitet.
Die Arbeit als Kraftfahrzeugmechaniker musste er gesundheitsbedingt an den Nagel hängen. Was nun? Irgendwas musst schon tun in der Pension um nicht zu versauern, meint er. Da bietet sich die Volkshochschule als großer Lehrmeister für neue Ziele an. Erst ein Kurs, dann wurde die Werkstatt-Grundausstattung besorgt. Schleifmaschine und Fachausrüstung. Das echte Tiffany-Glas direkt aus München und das nötige Zubehör.
Aller Anfang ist schwer. Und „Jung bleibst net“, das musste auch Scheurer Karl feststellen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und guter Rat ist bei manchem heimischen Glashandwerker auch zu finden. Aber draufkommen wie dann alles funktioniert, musst schon selber!
Beeindruckt haben ihn die schönen Tiffanys in England. Bilder in Glas in kleinen einzelnen Fassungen. Die schönen Symbolmotive, die Orchideenmuster und Blumenarrangement in den Pup´s, aber auch im Kaufhaus Herolds.
Glas wäre für die meisten Menschen einfach Glas, sagt er. Es kommt immer darauf an, wie man es angreift. Für ihn ist Glas lebendig. Die Tiffany-Glaskunst, Stained Glass, kommt von Louis Comfort Tiffany, dem amerikanischen Jugendstil-Künstler. Der hat so lange getüftelt, eingefärbt, bis die Rezeptur für die schönen Kirchenfenster aus dem Mittelalter wieder hergestellt werden konnten. Tiffanyglas ist kein Pressglas, sonder mundgeblasen, und wie ein Strudelteig ausgezogen. Das macht die ungleichmäßig schöne Oberflächenstruktur
Der Start unseres Glaskünstlers war eher langsam. Zuerst interessierten sich Freunde und Bekannte für seine Arbeiten, doch nach und nach sprach sich sein exzellenter Arbeitsstil herum. Erste schwerere Arbeiten gelangen wunderbar. Sternzeichen, Blumenbilder und Arbeiten nach fantasievollen Motiven.
Tiffany ist immer modern, und Tiffany hat kein Ablaufdatum. Deshalb sollte jedes Motiv sehr genau überlegt sein, man hat es schließlich jeden Tag vor sich, rät Scheurer. Es freut ihn, wenn den Leuten seine Arbeit gefällt. Der Blick schweift dabei über das bekannte Bauernkalender-Motiv, das er gerade für ein Fenster in Arbeit hat. Und ein anderes, eine Winterlandschaft, in einem Halbbogen , die aus zwei Flügeln besteht. Geradeso wie die Werkstatt-Flügeltür, die gerade zur Countrymusik vom Plattenspieler. in der Werkstatt schwingt.